Heraldischer Verein
"Zum Kleeblatt"
von 1888 zu Hannover e.V.

Als gemeinnützig und wissenschaftlich förderungswürdig anerkannter
Trägerverein der
Niedersächsischen Wappenrolle

 

  

Wappengebrauch

Wappenrechtliche
Grundsätze

 

             

Die im Bereich der historischen Hilfswissenschaften ehrenamtlich tätigen Juristen wie Töteberg oder Müller-Bruns haben in den Vereinen "Zum Kleeblatt" (Hannover) und "Herold" (Berlin) wie Arndt, Töteberg und Müller-Bruns schon immer mahnend darauf hingewiesen, dass es eine rechtliche Seite im bürgerlichen Wappenwesen gibt. Die beiden Vereine pflegen einen freundschaftlichen Fachaustausch und sehen sich traditionell als Geschwistervereine.

Die auf dieser Seite benutzte männliche Form von Begriffen wie „Wappenstifter" etc. (generisches Maskulinum) gilt gleichwertig für männliche und weibliche Personen.

 

 

Der Wappengebrauch

Quelle: Müller-Bruns, Dieter: Wappenrechtliche Aspekte von Familienwappenrollen - Teile 1 - 5, in Kleeblatt, Zeitschrift für Heraldik und verwandte Wissenschaften - Hefte 1/2015 - 1/2017; sowie: Müller-Bruns, Dieter: Nachtrag zum Wappenrecht, in: Der Herold - Heft 1-2/2015

  • Ein Familienwappen ist das gemeinsame und generationenübergreifende persönliche Kennzeichen einer bestimmten, durch ihren Namen sowie durch ihre Nachkommensgemeinschaft abgegrenzten Familie.

  • Grundsätzlich kann in Deutschland jede rechtsfähige Person ein Wappen für sich und die eigene Familie frei annehmen (Wappenstiftung).

  • Die Wappenstiftung ist eine einseitige Rechtshandlung, die einer hinreichenden Publizität bedarf, um wirksam zu werden und um einen Anspruch gegen Unberechtigte durchsetzen zu können.

  • Hierfür bedarf es keiner Eintragung in einer Familienwappenrolle. Trotzdem ist es ratsam, ein Wappen dort eintragen zu lassen. Sinn und Zweck einer Wappenrolle ist die Dokumentation von Familienwappen. So kommt der Wille zur Führung eines Wappens besonders klar zum Ausdruck.

  • Der Führungsberechtigte kann analog zum § 12 BGB zum Namensschutz den Schutz seines Familienwappens besser durchsetzen. Der Nachweis der längeren Wappenführung wird durch die datenmäßig genau festgelegte Eintragung in einer Wappenrolle erheblich erleichtert.

  • Ausschließlichkeitsgrundsatz: Niemand darf ein Wappen annehmen und führen, das bereits geführt wird oder geführt wurde (=> weitere Ausführungen).

  • Namensgleichheit bedeutet nicht Wappengleichheit. Bei altüberlieferten Wappen bedarf es des Nachweises der Führungsberechtigung.

    Eine ausführliche Darstellung des sog. Wappenrechts (Wappenfähigkeit / Recht, ein bestimmtes Wappen zu führen / Weitergabe an Nachkommen / Rechtsschutz / Wappenrollen und Wappenausschüsse / Ausschließlichkeitsgrundsatz / Wappenschwindel) finden Sie unter:

www.wappenkunde-niedersachsen.de

(dort unter Wappenrecht)

 

 

   


 

 

Schaubilder zur Führungsberechtigung
im Namensstamm

(Namens- und Nachkommenschaftsprinzip)

Quelle: Müller-Bruns, Dieter: Wappenrechtliche Aspekte von Familienwappenrollen - Teil 4, Kleeblatt, Zeitschrift für Heraldik und verwandte Wissenschaften 2/2016, S. 30 ff.; siehe auch: Müller-Bruns, Dieter: Überlegungen zu Grundzügen des Wappenrechts, in HEROLD-Studien Band 9: Wappen heute – Zukunft der Heraldik? Eine Historische Hilfswissenschaft zwischen Kunst und Wissenschaft, S. 33 ff., 2014

Alle männlichen und weiblichen Nachkommen einer bestimmten Person sind berechtigt, dasselbe Wappen zu führen, soweit und solange sie noch den Familienwappen des Wappenstifters tragen.

Das folgende Schaubild soll den Namensstamm verdeutlichen. Jede Person mit einem  grünen Symbol  erhält das Familienwappen von einem zur Führung und Weitergabe berechtigten - also selber aktiv den Familiennamen führenden - Nachkommen des Wappenstifters. Zur Vereinfachung wird in diesem Schaubild eine Führungsberechtigung der Ehepartner zunächst nicht berücksichtigt (siehe hierzu weiter unten).

Hinweis:  Alle wappenrechtlichen Schaubilder wurden von dem Juristen Dieter Müller-Bruns (Kleeblatt / MdH) auf der Grundlage eines Zeichnungsmusters von Dr. Bernhard Peter (Kleeblatt / KMdH) erstellt. 

Die stärkere schwarze Linie im Schaubild zeigt den Übergang des Rechts an dem Wappen auf die Nachkommen (1. Voraussetzung) bei tatsächlicher Fortführung des Familiennamens (2. Voraussetzung). Einbezogen ist die rechtliche Nachkommenschaft (bei Volladoption).

Das Recht an einem Familienwappen geht (wie der rechtsähnliche Familienname) als Folge der Nachkommenschaft bei Geburt auf die namensgleichen Nachkommen über. Heraldiker sprechen daher korrekt von Weitergabe und Fortführung (nicht von "Vererbung").

Beim Namensstamm sind ein bestimmtes Geschlecht und eine Ehelichkeit der Nachkommen grundsätzlich keine Voraussetzungen. So ist es beispielsweise der Enkelin eines Wappenstifters nicht versagt, das Wappen ihres Großvaters zu führen, nur weil sie das nichteheliche Kind seiner Tochter ist, wenn sie als Nachkomme den Familiennamen ihres Großvaters trägt.

Bei der Wahl eines neuen Familiennamens gilt beim Namensstamm zwingend: "Familienname weg = Familienwappen weg"

Hierbei gilt eine Besonderheit:
Gemäß dem historisch gewachsenen Gewohnheitsrecht und der Praxis der heraldischen Vereine und Gesellschaften wird auch beim Namensstamm in den Familien nach der Wahl eines neuen - vom Geburtsnamen abweichenden - Familiennamens (Ehenamens) bei den betroffenen Nachkommen eine rein persönliche Führungsberechtigung des elterlichen Wappens auf Lebenszeit akzeptiert. Somit sind Allianzwappen möglich.
Aber: Diese betroffenen Nachkommen mit neuem Familiennamen können bei konsequenter Anwendung des Namens- und Nachkommenschaftsprinzips das elterliche Wappen nicht mehr an die eigenen Nachkommen weitergeben. Zudem können diese betroffenen Nachkommen mit neuem Familiennamen kein Wappen mehr für die - nun namensfremde - elterliche Familie neu stiften. Dafür können sie aber für sich selber und ihre namensgleichen Nachkommen ein eigenes Wappen unter ihrem neu gewählten Familiennamen annehmen.

Der beim Namensstamm zwingend geltende Merksatz hat deutliche Konsequenzen: Das Wappen kann bei einer Führungsberechtigung im Namensstamm niemals - auch nicht über eine genealogische Abstammung - zur Weitergabe auf eine namensfremde Familie übertragen werden, ohne dass dies im Wappen selber durch eine deutliche Änderung sichtbar wird. In letzter Konsequenz bedeutet dies für die Betroffenen die Annahme eines neuen (zumindest deutlich abgewandelten) Familienwappens.

Bei einem Doppel- oder Mehrfachnamen bleibt die Fortführung des Familiennamens im Sinne des Namens- und Nachkommenschaftsprinzips des Namensstamms gewahrt. So ist die Führungsberechtigung gegeben, wenn der Familienname des Wappenstifters als Bestandteil eines Doppel- oder Mehrfachnamens eines Nachkommens vorliegt. -
Beachte: Sollte der Wappenstifter bei der Wappenannahme für sich selber einen Doppel- oder Mehrfachnamen als Nachnamen führen und diesen an seine Nachkommen weitergeben, so ist dieser Name der Wappenname.

Versuche, die verständlichen und systematisch gut nachvollziehbaren Voraussetzungen des Namensstamms zu umgehen, werden durch die Wappenrollen bei ihren Wappeneintragungen nicht geduldet. So bedeutet beispielsweise Namensgleichheit nicht Wappengleichheit. Auch kann das Wappen einer namensfremden Familie nicht einfach unter Angabe des abweichenden Namens als eigenes Wappen geführt werden.

Das Wappen einer ausgestorbenen Familie darf nicht unverändert übernommen werden. Eine Familie mag aussterben - ihr Familienwappen bleibt als Kennzeichen genau dieser Familie mit ihrem Familiennamen weiterhin bestehen. Keine Wappenrolle in Deutschland hat heute die Berechtigung, ein solches Familienwappen für eine andere Familie mit gleichem oder abweichendem Familiennamen einzutragen.

 

Die Ausweitung der Führungsberechtigung auf einen Stammahn

Häufig will ein Wappenstifter neben seinen eigenen Nachkommen weitere enge Angehörige in den Kreis der Führungsberechtigten mit einbeziehen. Zur Erreichung dieses Ziels kann der Wappenstifter die Berechtigung auf einen namensgleichen Vorfahren (sog. Stammahn) und dessen namensgleiche Nachkommen ausdehnen.  

           Hinweis: Zur Vereinfachung wird in diesem Schaubild eine Führungsberechtigung
           der männlichen oder weiblichen Ehepartner nicht berücksichtigt.

Eine solche Ausweitung der Führungsberechtigung wird in den heraldischen Fachvereinen akzeptiert. Hierdurch können auch andere Familienzweige einbezogen werden. Es ist ein Angebot an bisher nicht bekannte Verwandte zur Anlehnung an die gemeinsame Familienidentität. Es gelten die oben dargestellten allgemeinen Regeln des Namensstammes: Nachkommenschaft vom Stammahnen und Führung des Wappennamens als Nachnamen, auch als Teil eines Mehrfach bzw. Doppelnamens.  

Eine Ausweitung der Führungsberechtigung durch den Wappenstifter auf einen Vorfahren bedingt immer, dass er nachweislich selber ein namensgleicher Nachkomme dieses Stammahns ist. Bei dem Ehegatten des Wappenstifters wird dies hingegen regelmäßig nicht der Fall sein. Daher dürfte eine derartige Ausweitung nicht möglich sein, wenn namensgleiche Ehegatten gemeinsam als Stifter eines neuen Familienwappens auftreten. Dieses sollte bei den Wappenstifterberatungen berücksichtigt werden.

 

Die Führungsberechtigung der Ehepartner

Die namensgleichen Ehepartner des Wappenstifters und der weiteren Führungsberechtigten gelten beim Namensstamm „automatisch“ als persönlich führungsberechtigt. Dies wird bei der Führungsberechtigung jedoch nicht explizit genannt. 

Für die persönliche Führungsberechtigung der Ehegatten wird allgemein neben einer bestehenden ehelichen Verbindung die Annahme des Familiennamens des Wappenstifters, auch als Teil eines Doppel- bzw. Mehrfachnamens, vorausgesetzt.

Die jeweils "automatisch" führungsberechtigten namensgleichen männlichen und weiblichen Ehegatten sind in dem Schaubild mit einem  gelben Symbol  gekennzeichnet.

Beim Namens- und Nachkommensschaftsprinzips des Namensstamms ist die eigene Nachkommenschaft vom Wappenstifter immer eine der beiden zwingenden Voraussetzungen für eine Weitergabe an die eigenen namensgleichen Nachkommen. Dies ist beim Ehepartner regelmäßig nicht gegeben. Für den Ehegatten ist damit die "Erheiratung" eines Wappens mit dem Familiennamen und dessen Übertragung auf die eigenen Nachkommen ohne einen genealogischen Zusammenhang mit dem Wappenstifter nicht möglich. Beim Namensstamm geben (nur) der Wappenstifter selber und seine namensgleichen Nachkommen das Wappen ihrer Familie an ihre eigenen Nachkommen weiter, nicht die geheirateten Lebenspartner.
Der Ehepartner, der seinen gewählten Ehenamen nach einer Scheidung beibehält, kann damit das Familienwappen seines bisherigen Ehegatten nicht aus eigenem Recht an die späteren Nachkommen mit einem neuen Partner weitergeben.  

Aber Achtung: Wenn namensgleiche Ehegatten - statt alleine - gemeinsam als Stifter eines Familienwappens auftreten und nicht einseitig genealogische Vorfahren angegeben werden, kann ein abweichender Sonderfall mit deutlichen Konsequenzen für die Führungsberechtigung vorliegen. Hier könnte beiden Stiftern auch nach einer Scheidung und Beibehaltung des Nachnamens das Recht zur Führung und Weitergabe des Wappens zustehen. Die jeweiligen Kinder mit neuen Lebenspartnern wären bei Namensgleichheit zumindest Nachkommen eines Wappenstifters. Die beiden zwingenden Voraussetzungen des Namens- und Nachkommenschaftsprinzips wären erfüllt. Dies sollte bei der Beratung von Wappenstiftern berücksichtigt werden. 

 

Der Familienname

Der "Familienname" ist bei Fragen der Führungsberechtigung eines Wappens der tatsächlich geführte Nachname, der bei der jeweils konkret zu betrachtenden Person nach der geltenden Rechtsordnung auf die Nachkommen übergehen würde.

Dieser Familienname eines Menschen kann sich im Laufe des Lebens einmal oder mehrmals ändern, u. a. durch Heirat, Scheidung, Adoption. Der ursprüngliche, durch Abstammung erhaltene Familienname heißt "Geburtsname".

Dem Nachnamen gelegentlich angehängte Angaben zum Personen- bzw. Familienstand einer Person sind keine Bestandteile dieses Familiennamens. Beispiel: "Mustermann, geborene Müller, geschiedene Meyer, verwitwete Schmidt". Sie werden im Personenstandsfall, gewissen amtlich relevanten Vorgängen bei der bürgerlichen Beurkundung, benötigt. Die einzelnen Angaben sind die Personenstandsdaten einer Person, nicht deren Familienname, der auf die Nachkommen übergeht.

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) regelt:

Die Ehegatten sollen einen gemeinsamen Familiennamen (Ehenamen) bestimmen. Ehegatten führen den von ihnen bestimmten Ehenamen. Bestimmen die Ehegatten keinen Ehenamen, so führen sie ihren zur Zeit der Eheschließung geführten Namen auch nach der Eheschließung.
Zum Ehenamen können die Ehegatten durch Erklärung gegenüber dem Standesamt den Geburtsnamen oder den zur Zeit der Erklärung über die Bestimmung des Ehenamens geführten Namen der Frau oder des Mannes bestimmen. Die Erklärung über die Bestimmung des Ehenamens soll bei der Eheschließung erfolgen (vgl. § 1355 Abs. 1 - 3 BGB).
Haben beide Partner sich zur Eheschließung für denselben Nachnamen entschieden, so ist dieser Ehename automatisch der Familienname. Auch die Kinder werden so mit Nachnamen heißen. Sie erhalten den Ehenamen ihrer Eltern als Geburtsnamen (§ 1616 BGB). Führen die Eltern keinen Ehenamen und steht ihnen die Sorge gemeinsam zu, so bestimmen sie durch Erklärung gegenüber dem Standesamt den Namen, den der Vater oder die Mutter zur Zeit der Erklärung führt, zum Geburtsnamen des Kindes (§ 1617 Abs. 1 Satz 1 BGB).
Der geschiedene oder verwitwete Ehegatte behält grundsätzlich seinen in der Ehe gewählten Nachnamen. Er kann durch Erklärung gegenüber dem Standesamt jedoch seinen Geburtsnamen oder den Namen wieder annehmen, den er bis zur Bestimmung des Nachnamens bei Heirat geführt hat, oder diesen bei Heirat gewählten Nachnamen seinen Geburtsnamen oder den zur Zeit der Bestimmung des Nachnamens geführten Namen voranstellen oder anfügen (§ 1355 Abs. 5 BGB).


Die Entwicklungen im Namensrecht mögen bei Familienwappen den Umgang mit der Führungsberechtigung zwar nicht einfacher gemacht haben. Bei konsequenter Anwendung des Namens- und Nachkommenschaftsprinzips ist das Namensrecht aber gleichwohl umfassend zu berücksichtigen.

 

 

 

 

Von einer NWR-Eintragung sind ausgeschlossen:


(a) Staatswappen oder andere staatliche Hoheitszeichen,

(b) Wappen die nachweislich bereits von einer anderen Familie oder einer Körperschaft geführt wurden oder gegenwärtig geführt werden,

(c) Wappen, die von den unter 1. und 2. genannten nur unwesentlich abweichen, dass trotz dieser Abweichungen die Gefahr einer Verwechslung vorliegt oder die ohne Berechtigung einen Schild mit einem entsprechenden Wappen als Teil im zur Eintragung beantragten Wappenschild enthalten,

(d) Wappen die den allgemein anerkannten Regeln der Heraldik widersprechen (Wappenkunde, Wappenkunst, Wappenrecht),

(e) Wappenentwürfe, die in ihrer Gestaltung gröblich gegen die Grundsätze der Symbolik und Ästhetik verstoßen.

In die NWR werden bürgerliche Familienwappen  unter dem in Deutschland geltenden, tatsächlich geführten Familiennamen eingetragen. Pseudonyme, erkaufte sowie nicht nachgewiesene Namen und Titel gemäß der Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland finden keine Berücksichtigung. Auf Nachfrage sind grundsätzlich Dokumente zum Nachweis  der Identität des Antragstellers und der Angaben im Antrag vorzulegen.
 

 

 

NWR-Gesamtausgabe 1910 - 2012  (Band 2 ist in Planung)